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07.12.2009Liberale trauern um Otto Graf Lambsdorff
Der FDP-Ehrenvorsitzende und frühere Bundeswirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff ist am Samstag im Alter von 82 Jahren gestorben. "Fassungslos und tief bestürzt habe ich heute vom Tode unseres Ehrenvorsitzenden Otto Graf Lambsdorff erfahren. Wir sind tief traurig", erklärte der FDP-Bundesvorsitzende Guido Westerwelle. Die Liberalen verlieren mit Otto Graf Lambsdorff einen ihrer wichtigsten Gestalter und Wegweiser der vergangenen Jahrzehnte", erklärte Westerwelle.
"Deutschland verliert einen prägenden Wirtschaftspolitiker, der mit seinem Kompass der sozialen Marktwirtschaft den Weg wies. Seine programmatische Klarheit und kantige Unerschütterlichkeit waren Wegweiser für unser Land. Sein marktwirtschaftliches Engagement und sein Engagement für die Menschenrechte weltweit haben über ein halbes Jahrhundert hinweg der FDP wesentlich zu ihrem Profil verholfen. Otto Graf Lambsdorffs Verdienste für die Sache der Freiheit haben die Bundesrepublik entscheidend mit geprägt.
Unsere Gedanken und unsere Anteilnahme sind bei seiner Familie. In diesen schweren Stunden denken alle Liberalen, aber auch ich ganz persönlich, zuallererst an seine Angehörigen und insbesondere an seine Frau. Die liberale Familie verliert mit Otto Graf Lambsdorff ein Vorbild. Wir verneigen uns in tiefer Trauer."
Ein großer Verlust für den deutschen und internationalen Liberalismus
Der Jurist trat 1951 in die FDP ein und engagierte sich zunächst vor allem landespolitisch. In der Bundespolitik fiel er erstmals durch seine beeindruckende Mitarbeit bei den Vorbereitungen der „Freiburger Thesen“ von 1971 auf; ein Jahr später wurde er in den Bundestag gewählt, wo er sich bald einen Namen als wirtschaftspolitischer Experte machte. Dies prädestinierte ihn 1977 zum Nachfolger von Hans Friderichs an der Spitze des Bundesministeriums für Wirtschaft. In dieser Funktion trat er zielstrebig für eine möglichst weitgehende Umsetzung der freidemokratischen Wirtschaftspolitik ein, die unter seiner Federführung 1977 in den „Kieler Thesen“ neu formuliert worden war. Sein berühmtes „Konzept für eine Politik zur Überwindung der Wachstumsschwäche und zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit“ vom September 1982, später nur allgemein „Lambsdorff-Papier“ genannt, leitete die koalitionspolitische „Wende“ im Herbst des gleichen Jahres ein und leistete eine wichtige Voraussetzung für den wirtschaftlichen Aufschwung der 1980er-Jahre.
Lambsdorffs Ausscheiden aus dem Amt des Wirtschaftsministers Ende Juni 1984 wurde wegen seiner unbezweifelbaren Kompetenz von vielen Seiten sehr bedauert; er setzte danach seine politische Karriere als Parlamentarier fort. Im Oktober 1988 entschied er die Nachfolge von Martin Bangemann im FDP-Bundesvorsitz in einer Stichwahl gegen Irmgard Schwaetzer für sich und war somit der liberale Bundesvorsitzende in der Phase der deutschen Wiedervereinigung. Unter seiner Ägide wurde nicht nur die Vereinigung der ost- und westdeutschen Liberalen zur gesamtdeutschen FDP erfolgreich zustande gebracht, sondern verzeichneten die Freidemokraten auch bei der Bundestagswahl vom Dezember 1990 das drittbeste Ergebnis ihrer Geschichte.
Nach Übergabe des FDP-Vorsitzes an Klaus Kinkel im Juni 1993 konzentrierte sich Otto Graf Lambsdorff - nunmehr Ehrenvorsitzender unserer Partei - vor allem auf sein internationales Engagement, u. a. als Vorsitzender der LI von 1991 bis 1994 und als Vorstandvorsitzender der Friedrich-Naumann-Stiftung von 1995 bis 2006. Vornehmlich seinem Einsatz als Sonderbeauftragtem des Bundeskanzlers war es 1999/2000 zu verdanken, dass die Frage der Entschädigung von NS-Zwangsarbeiter einer endgültigen Lösung zugeführt und eine entsprechende Bundesstiftung eingerichtet wurde. Unvergessen ist auch seine unermüdliche Unterstützung für die Freiheitsrechte der Tibeter, die einmal mehr die große Bedeutung der Menschenrechte für den „Markgrafen“ unterstrichen hat.
Nicht allein um die liberale Sache, sondern um die deutsche Politik insgesamt hat sich Otto Graf Lambsdorff innerhalb und außerhalb unseres Landes überaus große Verdienste erworben. Die Freien Demokraten werden seinen überragenden politischen Sachverstand ebenso wie seinen schnörkellosen Politikstil sehr vermissen.



